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Muss ich Gewerbesteuer zahlen?

Muss ich Gewerbesteuer zahlen?

Muss ich Gewerbesteuer zahlen? Eine sehr gute Frage, die sich auch sehr viele Unternehmer stellen. Die Gewerbesteuer und die Verpflichtung dazu zählen zu den vielleicht größten Rätseln rund um das große Thema Steuern. Daher nimmt sich unser 11880.com-Steuerberater-Ratgeber dieses Themas natürlich an und versucht, Ihnen bei der Beantwortung der Frage „Muss ich Gewerbesteuer zahlen?“ zu helfen.

Wer unterliegt der Gewerbesteuerpflicht?

Gewerbesteuer Bundesländer
© chrupka - istockphotos.com – Je nach Bundesland unterscheidet sich die Höhe der Gewerbesteuer erheblich.

Gewerbesteuerpflichtig sind im Wesentlichen sämtliche Kapital- und Personengesellschaften sowie Einzelunternehmen. Land- und Forstwirtschaftliche Betriebe unterliegen der Gewerbesteuerpflicht, wenn sie einen Handelsregistereintrag und einen Umsatz aus gewerblichen Dienstleistungen von mindestens 5.000 € haben.

Warum die Verwirrung?

Die Gewerbesteuerpflicht ist für sehr viele Existenzgründer ein Buch mit sieben Siegeln. Einige davon sind vom Finanzamt selbst geschaffen, denn für Gewerbesteuer gibt es eine Vielzahl an Freibeträgen, Sonderfällen und Berechnungsgrundlagen. So hat sogar schon der Unternehmensstandort einen großen Einfluss auf die spätere Höhe der zu entrichtenden Gewerbesteuer. Wenn Ihr Unternehmen zum Beispiel in Duisburg ansässig ist, zahlen Sie einen traditionell hohen Gewerbesteuerhebesatz, während in den brandenburgischen Gemeinden Schönefeld oder Liebenwalde bundesweit die niedrigsten Hebesätze gelten.

Wer ist von der Gewerbesteuer ausgenommen

landwirte
© Jevtic - istockphotos.com – Land- und Forstwirte haben es gut: Für sie entfällt die Gewerbesteuerpflicht.

Land- und Forstwirte sowie auch Einzelunternehmer, die nicht in diese Gruppen fallen, sind von der Gewerbesteuerpflicht ausgenommen. Auch bestimmte Gruppen von Freiberuflern sind von der Gewerbesteuer befreit, wie zum Beispiel Ärzte, Anwälte, Steuerberater oder Architekten. Wichtig für die Gewerbesteuerbefreiung ist die Unterscheidung zwischen Freiberuflern und Selbstständigen.

Berufe mit Gewerbesteuerbefreiung

Das Gewerbesteuergesetz erfasst im § 18, Abs. 1 alle diejenigen, die zu den hier relevanten Freiberuflern zählen und teilt diese in drei zugehörige und damit von der Gewerbesteuerpflicht befreite Gruppen:

Katalogberufe:

  • Heilberufe (z. B. Pflegedienste)
  • Steuerberatung
  • Wirtschaftsberatung
  • Rechtsberatung
  • Naturwissenschaftliche Berufe
  • Technische Berufe
  • Kulturberufe (z.B. Journalisten, Übersetzer, Schriftsteller)

Katalogähnliche Berufe:

Hierzu gehören Berufe, die den Katalogberufen im Ausbildungsansatz gleichen, aber eine höhere Ausbildung, bzw. Weiterbildung erfordern, wie zum Beispiel Modedesigner, Werbetexter oder Masseur. Hierbei werden die Fälle und Ihre Gewerbesteuerbefreiung individuell durch die Finanzgerichte geprüft.

Tätigkeitsberufe:

  • Wissenschaftlich Tätige
  • Unterrichtende Tätigkeiten
  • Künstlerische Tätigkeiten


Wie wird die Gewerbesteuerpflicht berechnet?

Fallen Sie in eine dieser Gruppen? Wie hoch ist dann Ihre Gewerbesteuer? Wir zeigen, wie die Gewerbesteuer berechnet wird:

  1. Basis der Berechnung ist der Gewerbeertrag des Unternehmens (gerundet auf volle 100 €)
  2. Einzelunternehmen oder Personengesellschaften (OHG, KG) ab 24.500 € / Freibetrag 24.500 €
  3. Für andere Gesellschaftsformen (Vereine und juristische Personen des öffentlichen Rechts) liegt die Bemessungsgrenze bei 3.900 €

Rechenbeispiel:

  • Ein kleines Unternehmen mit Sitz in Dortmund erwirtschaftet 174.500 €.
  • Abzug des Freibetrags von 24.500 € = 150.000 €
  • Multipliziert mit der bundesweiten Steuermesszahl 0,035, also 3,5 % = 5.250 €
  • Multipliziert mit dem Hebesatz von Dortmund (485 %) = 25.462,50 €

Dortmund hat mit 485 % einen vergleichsweise hohen Gewerbesteuerhebesatz, der typisch für Großstädte ist. Zum Vergleich: An einem Standort mit dem niedrigstmöglichen Hebesatz von 200 % läge die Gewerbesteuer für unser Beispielunternehmen bei nur 10.500 €, also fast 15.000 € niedriger! Da Großstädte für Unternehmen in der Regel die wesentlich attraktiveren Standorte sind, haben diese meist höhere Gewerbesteuern – zwei Fakten, die sich vermutlich zwangsläufig gegenseitig bedingen.

Gewerbesteuerbefreiung nicht immer eindeutig – Beispiele

Trotz aller Regulierungen kann es beim Thema Gewerbesteuerbefreiung zu Streitfällen kommen. Dialysezentren fordern schon seit längerem eine Gewerbesteuerbefreiung, doch sind derzeit laut Rechtsprechung davon ausgeschlossen. Krankenhäuser und Einrichtungen zur ambulanten Pflege pflegebedürftiger Personen sind dagegen von der Gewerbesteuer befreit, solange für mindestens 40 % der Patienten der größte Teil der Behandlungskosten (über 50 %) von der gesetzlichen Sozialversicherung übernommen werden. Der wichtigste Punkt ist jedoch die erbrachte Leistung: Da die erbrachten Leistungen innerhalb eines Dialysezentrum nicht der Pflege, sondern der Behandlung dienen, können sie nicht von der Gewerbesteuerpflicht befreit werden, wie es etwa bei Krankenhäusern mit ihrer stationären Tätigkeit und Pflegeeinrichtungen der Fall ist. Selbst ambulant tätige Dialysezentren sind davon betroffen, da sie in der Praxis keine vollstationäre Behandlung und Vollverpflegung für ihre Patienten bieten. Eine Steuerbefreiung entfällt damit für diese Einrichtungen.

Und auch Bildungseinrichtungen können davon betroffen sein, selbst wenn ihre Tätigkeiten nach § 4 Nr. 12 UStG von der Umsatzsteuer befreit sind. Dies ist der Fall, wenn noch andere gewerbliche Aktivitäten innerhalb eines einheitlichen Betriebs stattfinden. Besteht nämlich keine wirtschaftliche und organisatorische Selbstständigkeit der Bildungseinrichtung im Gesamtbetrieb, entfällt die Gewerbesteuerbefreiung und es handelt sich um einen reinen Gewerbebetrieb.

 


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