So lösen Sie Probleme mit dem Finanzamt

Die Steuererklärung ist erstellt, abgeschickt und damit für Sie zunächst einmal abgeschlossen. Doch es geht noch weiter, denn das Finanzamt sendet Ihnen im Anschluss einen Steuerbescheid zu, gegen den Sie aber Einspruch einlegen können, wenn Sie der Meinung sind, dass der Steuerbescheid fehlerhaft ist. Das kommt in mehr als drei Vierteln aller Fälle vor! Ein Einspruch ist somit nicht selten von Erfolg gekrönt, sofern Sie ihn begründen und belegen können. Wenn aber nicht, findet der weitere Verlauf im Rahmen eines Rechtsbehelfsverfahrens statt. Unser 11880.com-Steuerberater-Ratgeber zeigt auf, wo Ihnen Ihr Steuerberater bei Problemen mit dem Finanzamt zur Seite stehen kann.

Wann kommt es zum Rechtsbehelfsverfahren?

Finanzamt
© JoeCologne - istockphotos.com

Die chronologische Abfolge auf dem Weg zum Rechtsbehelfsverfahren gestaltet sich wie folgt:

  • Steuererklärung
  • Steuerbescheid (mit Hinweis zum Rechtsbehelf)
  • Einspruch gegen den Steuerbescheid
  • Aberkennung des Einspruchs und Erörterungsschreiben des Sachbearbeiters
  • Bitte um Rückzug des Einspruchs
  • Sie behalten Ihren Einspruch aufrecht
  • Die Angelegenheit geht an die Rechtsbehelfsstelle des Finanzamts
  • Neuerliche Prüfung des Einspruchs
  • Das Finanzamt lehnt erneut ab
  • Klage / Sie lenken ein

Am Anfang war der Steuerbescheid

Nachdem Sie Ihre Steuererklärung abgegeben haben, erhalten Sie den auf Basis dieser Erklärung erstellten Steuerbescheid. Dieser setzt letztlich die von Ihnen zu entrichtenden Steuern fest, kann aber unter Umständen auch fehlerhaft sein. Prüfen Sie den Steuerbescheid genau, um eventuelle Fehler ausfindig zu machen und somit letztlich zum zweiten Schritt überzugehen.

Zu Schritt 1 lesen Sie auch unseren Artikel Steuerbescheid prüfen.

Einspruch gegen den Steuerbescheid

Im Steuerbescheid finden Sie neben Ihren persönlichen Steuerdaten auch einen Hinweis zur Rechtbehelfsbelehrung, mit dem Hinweis auf eine Einspruchsfrist von einem Monat. Der Einspruch ist generell kostenfrei, Sie sollten aber etwas Zeit in die Begründung investieren, damit der Einspruch gegen den Steuerbescheid eine Chance auf Anerkennung hat. Schon hier können Sie die Durchführung des Rechtsbehelfsverfahrens von einem Steuerberater durchführen lassen, um etwa Ihren Einspruch sachgemäß zu begründen.

Zu Schritt 2 lesen Sie auch „Einspruch gegen Steuerbescheid“ und „Steuer Einspruchsfrist“.

Mögliche Konsequenzen

Nun kann es auf zwei Weisen weitergehen:

  1. Ihr Sachbearbeiter im Finanzamt prüft den Einspruch gegen den Steuerbescheid und gibt ihm statt. Dann erhalten Sie einen neuen Steuerbescheid und Sie können die Angelegenheit als abgeschlossen betrachten.
  2. Ihr Sachbearbeiter im Finanzamt prüft den Einspruch gegen den Steuerbescheid, gibt ihm nicht statt und bittet Sie, Ihren Einspruch zurückzunehmen. Die Ablehnung muss schriftlich begründet sein und Ihrerseits eine Rechtsbehelfsbelehrung enthalten. Falls Sie Ihren Einspruch nicht zurücknehmen, wird der Finanzbeamte die Angelegenheit an die Rechtsbehelfsstelle des Finanzamtes weiterleiten.


Die Rechtsbehelfsstelle des Finanzamtes

finanzgericht
© seb_ra - istockphotos.com

Auch hier gibt es wieder dieselben zwei Möglichkeiten, wobei das Finanzamt bei Ablehnung Ihres Einspruchs noch einmal ein eigenes Erörterungsschreiben verfasst, in dem der Grund für die Ablehnung formuliert ist.
Sollte auch nach Erhalt dieses Schreibens keine Einigung erzielbar sein, wird der Finanzbeamte eine Einspruchsentscheidung erlassen, gegen die Ihnen letztlich nur noch eine Klage als Rechtsmittel zur Verfügung steht.

 

Wie hilft ein Steuerberater beim Rechtsbehelfsverfahren?

Insgesamt kommt im Zuge des Rechtsbehelfsverfahrens eine ganze Menge Verwaltungsarbeit auf Sie zu, denn es darf nicht vergessen werden: Die meisten fehlerhaften Steuerbescheide entstehen nur wegen mangelhafter Belege seitens des Steuerpflichtigen. Ihren Einspruch müssen Sie also nicht nur begründen, sondern auch belegen. Zudem gibt es im Rechtsbehelfsverfahren Fristen zu beachten, die ein professioneller Steuerberater stets im Blick hat. Und: Ihr Steuerberater rät Ihnen im Zweifel auch von einem weiteren Ausdehnen des Verfahrens ab, insbesondere dann, wenn es um die Klage vor dem Finanzgericht geht.

Klage vor dem Finanzgericht

Der bisherige Ablauf im außergerichtlichen Rechtsbehelfsverfahren ist kostenlos für Sie gewesen. Wenn Sie jedoch eine Klage vor dem Finanzgericht anstrengen, wird dies auch finanziell anstrengend. Zudem sollten Sie diesen Weg nicht ohne einen Steuerberater und einen Anwalt gehen.

So funktioniert eine Klage vor dem Finanzgericht:

  • Die Klage reichen Sie bei dem Finanzgericht ein, in dessen Bezirk auch Ihr Finanzamt liegt, bzw. in dem das Finanzamt liegt, das Sie verklagen.
  • Die Klage wird in der Regel an die Amtsleitung gerichtet, da Sie eine reelle Person verklagen müssen.
  • Es gibt eine Menge formale Vorschriften, die für Laien nicht bekannt sein können. Ziehen Sie einen Anwalt zurate.

Kosten für eine Klage vor dem Finanzgericht

Die Kosten für ein gerichtliches Rechtsbehelfsverfahren richten sich nach dem Streitwert:

Streitwert bis...

Kosten Finanzgericht

Kosten Bundesfinanzhof 

1.000 Euro 527,02 Euro 1.139,39 Euro
1.500 Euro 633,66 Euro 1.369,81 Euro
2.000 Euro 758,96 Euro 1.638,40 Euro
2.500 Euro 884,25 Euro 1.906,98 Euro
3.500 Euro 1.134,84 Euro 2.444,15 Euro
5.000 Euro 1.510,73 Euro 3.249,92 Euro
8.000 Euro 2.060,58 Euro 4.434,25 Euro
10.000 Euro 2.427,15 Euro 5.223,80 Euro
30.000 Euro 3.909,46 Euro 8.429,52 Euro
110.000 Euro 7.959,33 Euro 17.258,04 Euro

 

Hohes Prozessrisiko

Ob sich die Klage vor dem Finanzgericht lohnt, bzw. ob sie aussichtsreich ist, darüber sollten Sie einen professionellen Steuerberater und/oder Anwalt entscheiden lassen. Die Hilfe der Experten brauchen Sie jetzt – im Rahmen des gerichtlichen Rechtsbehelfsverfahrens – auch wegen der außerordentlichen formalen Rahmenbedingungen: Ein Schreiben falsch aufgesetzt, eine Frist verpasst und Ihre Klage ist verloren. Und dann tragen Sie die Kosten für Gerichtsgebühren und Ihren Rechtsvertreter.



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