Kleinunternehmen: Regelungen und Befreiung

Schon bei der Existenzgründung stellt sich für viele Unternehmer die Frage, ob sie zunächst unter die Kleinunternehmerregelung fallen oder nicht. Welche Vor- und Nachteilen ergeben sich rund um ein Kleinunternehmen und welche Rechnungs-, Steuer- und Buchführungsregeln gehen mit dieser Regelung einher? Unser 11880.com-Steuerberater-Ratgeber erläutert Ihnen die wichtigsten Daten, Fakten und Regeln für Kleinunternehmen sowie wie Sie aus der Kleinunternehmerregelung ausscheiden.

Wann führt man ein Kleinunternehmen?

kleinunternehmen
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Um für sich und Ihr Unternehmen zu definieren, ob Sie ein Kleinunternehmen sind, bzw. führen, müssen Sie sich lediglich an die konkreten Zahlen halten. Denn es geht hier zunächst einmal nur um den Umsatz mit umsatzsteuerpflichtigen Leistungen oder Lieferungen. Lag dieser im Vorjahr unter 17.500 € und wird dieser im aktuellen Jahr aller Voraussicht nach 50.000 € nicht überschreiten, führen Sie ein Kleinunternehmen und haben somit Anspruch auf den Kleinunternehmer-Status.

Warum Kleinunternehmer-Regelung?

Tatsächlich haben Sie rechtlichen Anspruch auf diesen Status, der sich aus §19 des Umsatzsteuergesetzes (UStG) ergibt. Sie haben tatsächlich auch mehrere Vorteile als Kleinunternehmen. Denn wen das Finanzamt als Kleinunternehmer anerkennt, der…

…muss keine Umsatzsteuer ausweisen
…hat keine Umstände mit dem komplizierten UStG
…hat eine deutlich vereinfachte Buchführung
…kann sich auf wesentlich weniger Aufwand mit der Steuererklärung einstellen

Kleinunternehmen – große Erleichterungen

Letzterer Punkt deutet schon einen der größten Vorteile der Kleinunternehmerregelung an. Denn Kleinunternehmer haben durch die entfallende Umsatzsteuer keinerlei Aufwand mit entsprechenden Verwaltungsaufgaben. Sie müssen zu keiner Dienstleistung oder Lieferung den passenden Umsatzsteuersatz herausfinden, brauchen aber auch selbst Ihren Kunden nicht den korrekten Satz in Rechnung zu stellen. Sie müssen sich auch nicht mit den Umsatzsteuervorauszahlungen oder der Umsatzsteuererklärung auseinandersetzen.

Kleinunternehmen als Rechtsform

Prinzipiell kann jeder Unternehmer in den Genuss dieser Vorteile kommen, denn der Status als Kleinunternehmer gilt nicht als gesonderte Rechtsform. Gleichwohl können durchaus mehrere dieser Firmenrechtsformen ein Kleinunternehmen sein:

  • Freiberufler, Einzelunternehmer
  • Personengesellschaften
  • juristische Personen

Wenn Sie sich jetzt vielleicht bei dem Gedanken ertappt haben, einfach mehrere Kleinunternehmen zu führen, um die Vorteile zu nutzen und trotzdem mehr zu verdienen: Das funktioniert nicht, denn es werden grundsätzlich alle Tätigkeiten einer natürlichen oder juristischen Person bei der Umsatzermittlung herangezogen.



Die Kleinunternehmer-Regelung verlassen

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Mit welcher Anzahl an Unternehmen auch immer, sobald die Umsätze entsprechend steigen (entweder im abgelaufenen Geschäftsjahr über 17.500 € oder wenn nicht im laufenden über 50.000 €), unterliegen Sie der Regelbesteuerung.
Sie können aber auch von vorne herein auf das so genannte Kleinunternehmerprivileg verzichten und unterliegen dann sofort der Regelbesteuerung, an die Sie dann für fünf Jahre gebunden sind.
Auch nach einem Rumpfjahr können Sie direkt die Kleinunternehmer-Regelung verlassen und zwar, wenn Ihr Umsatz im Rumpfjahr über dem Ergebnis von 17.500 : 12 x Anzahl der Monate, die Sie mit Ihrem Unternehmen tätig sind, liegt.

Ein Sonderfall besteht, wenn Sie entgegen einer vertrauenswürdigen und seriösen Umsatzprognose dennoch über der Umsatzgrenze liegen. Dann würden Sie zunächst nur im Folgejahr der Regelbesteuerung unterliegen.

Achtung: Unachtsamkeit schützt nicht vor Steuerpflicht!

Sie werden nicht vom Finanzamt benachrichtigt, wenn Sie die Kleinunternehmer-Regelung verlassen, weil das Finanzamt auch erst mitten im Folgejahr über Ihre derzeitigen Umsätze Bescheid bekommt. Hier müssen Sie also selbst sehr gut Ihre Umsätze überwachen!
Sollten Sie aber die Kleinunternehmerregelung verlassen haben, erwartet das Finanzamt auch schon Umsatzsteuerzahlungen von Ihnen, ob Sie diese nun Ihrerseits erhoben haben oder nicht.

Zurück in den Kleinunternehmer-Status?

Falls Sie nach einer Phase höherer Umsätze und der Regelbesteuerung wieder in die Kleinunternehmerregelung zurück möchten, ist das auch wieder möglich – unter denselben Umständen, wie am Anfang auch. Allerdings wird auch hier das Finanzamt nicht von selbst auf Sie zukommen. Die Rückkehr zur Kleinunternehmer-Regelung muss beantragt werden.



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