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Wie ermittelt man die Einkommensteuer?

Wie ermittelt man die Einkommensteuer?

Die Einkommensteuer, sicherlich nicht das Lieblingsthema der meisten Steuerpflichtigen. Das liegt aber mitunter auch daran, dass man nicht so leicht versteht, wofür die Einkommensteuer da ist und wie man die Einkommensteuer ermittelt. Unser 11880.com-Steuerberater-Ratgeber erläutert, worum es bei der Einkommensteuer geht und sagt, wer wie viel Einkommensteuer zahlen muss.

Wer muss Einkommensteuer zahlen?

Rechner und Geldscheine
© ugde - istockphotos.com

Die Einkommensteuer muss jeder entrichten, der als natürliche Person gilt und einen Wohnsitz (oder auch gewöhnlichen Aufenthalt) in Deutschland hat. Von der Einkommensteuer betroffen sind dabei sämtliche Einkünfte (auch Welteinkünfte genannt) dieser natürlichen Person, auch diejenigen Einkünfte, die im Ausland erzielt werden.

Einkommensteuer zahlen muss also:

  • Jeder, der in Deutschland wohnhaft
  • Jedes Alter
  • Jede Geschäftsfähigkeit
  • Alle Nationalitäten

Beschränkte Einkommensteuerpflicht

Ausnahmen gelten für denjenigen, der seinen Wohnsitz oder gewöhnlichen Aufenthalt nicht in Deutschland hat, hierzulande aber dennoch auf irgendeine Weise Einkünfte erzielt. Solche Einkünfte sind beschränkt einkommensteuerpflichtig. Es muss aber jeweils die möglich Doppelbesteuerung mit dem Staat beachtet werden, über die eventuell mit dem Wohnsitzstaat des Steuerpflichtigen ein Abkommen besteht.



Relevante Einnahmen für die Einkommensteuer

Nun wissen Sie, das jeder, der in Deutschland einen Wohnsitz hat, Einkommensteuer entrichten muss. Aber für welche Einkünfte gilt denn die Einkommensteuer? Hier gibt es im Wesentlichen sieben Gruppen von betroffenen Einkünften:

  1. Gewinne aus selbstständiger Arbeit
  2. Gewinne aus Gewerbebetrieben
  3. Gewinne aus Land- und Forstwirtschaften
  4. Überschüsse aus Vermietung und Verpachtung
  5. Überschüsse aus nicht-selbstständiger Arbeit
  6. Überschüsse aus Kapitalvermögen
  7. Überschüsse aus sonstigen Einkünfte im Sinn des § 22 EStG

Was entfällt nicht auf die Einkommensteuer?

Erbschaft fällt in die Erbschaftsteuer, Schenkungen in die Schenkungssteuer.
Gewinne aus Lotterien, Gewinnspielen, Wetten oder anderen Tätigkeiten der so genannten Liebhaberei ohne Gewinnabsicht gehören in die private Vermögensebene und sind nicht steuerbar.

Freibeträge in der Einkommensteuer

Wichtig in diesem Zusammenhang ist natürlich auch der Steuerfreibetrag, bis zu dem ein Gehalt nicht der Einkommensteuer unterworfen wird. Nach Stand 2015 liegt der aktuelle Einkommensteuer-Freibetrag bei 8.472 €. Weitere Freibeträge sind unter anderem:

  • Kinderfreibetrag
  • Alleinerziehendenentlastungsfreibetrag
  • Altersentlastungsfreibetrag
  • Behindertenpauschbetrag
  • Übungsleiterfreibetrag
  • Versorgungsfreibetrag

Wie wird die Einkommensteuer berechnet?

Nun kennen wir alle Größen und Bestandteile unserer Einkommensteuer-Berechnung. Es folgen einige wichtige Schritte zum Ermitteln der Einkommensteuer:

Einkünfte berechnen:

Rechnen Sie Überschüsse und Gewinne aus den Einkunftsquellen 1 - 7 zusammen. Kosten und Ausgaben dürfen dabei aber nur mit den dazu passenden Einkünften verrechnet werden, etwa die Werbekosten mit den Einkünften aus den daraus erfolgten Aufträgen oder Fahrtkosten zu einem bestimmten Kunden.
Daraus ergibt sich die Summe Ihrer Einkünfte, von der Sie gegebenenfalls noch den Altersentlastungsbetrag abziehen müssen.

Sonderausgaben und Belastungen:

Von der Summe Ihrer Einkünfte aus den oben genannten Quellen 1 - 7 ziehen Sie nun die Sonderausgaben ab. Dies sind im Kontext Einkommensteuer zum Beispiel Spenden oder Beiträge für Versicherungen.
Auch die so genannten außergewöhnlichen Kosten ziehen Sie ab, wie etwa Kosten für eine Scheidung, Beerdigung oder auch Kosten für eine Krankheit, für welche die Krankenkasse nicht aufgekommen ist.
Nun haben Sie Ihr Einkommen berechnet.

Zu versteuerndes Einkommen berechnen:

Nehmen Sie diesen Wert und ziehen Sie wiederum einen möglichen Kinderfreibetrag ab oder gegebenenfalls den Entlastungsbetrag für Alleinerziehende. Daraus ergibt sich nun letztendlich die Ausgangsgröße für Ihre Einkommensteuer, das zu versteuernde Einkommen.

Einkommensteuer berechnen mit Steuersatz:

Arbeiten Sie mit diesem Wert nun weiter, indem Sie Ihren individuellen Steuersatz darauf anwenden. Jeder hat einen persönlichen, individuellen Steuersatz, der zum Beispiel mit dem Familienstand variiert. Ist Ihr Steuersatz also zum Beispiel bei 25 %, rechnen Sie:

Zu versteuerndes Einkommen x 0,25 und Sie haben Ihre Einkommensteuer berechnet.

Sonderfall Ehegattensplitting

Eheringe
© manograf - istockphotos.com

Das Ehegattensplitting stellt hierbei übrigens eine Besonderheit dar, da hier die Einkommensteuer nicht an einer Person, sondern an beiden Ehepartnern festgelegt wird. Bei der Berechnung der Einkommensteuer werden die zu versteuernden Gehälter beider Ehepartner addiert, das Ergebnis wird halbiert, und erst dann wird der (verdoppelte) Steuersatz auf das Ergebnis angewendet. Besonders Verheiratete mit hohen Einkommensunterschieden haben vom nicht unumstrittenen Modell Ehegattensplitting große finanzielle Vorteile.

Nicht vergessen: Nachdem Sie die Einkommensteuer berechnet haben, müssen Sie noch den Solidaritätszuschlag sowie eventuell die Kirchensteuer hinzurechnen.



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