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Die Einspruchsfrist ist abgelaufen – was tun?

Die Einspruchsfrist ist abgelaufen – was tun?

Fakt ist, dass durchaus ein nicht unerheblicher Teil aller Steuerbescheide Fehler enthält. Ist dies der Fall, so ist auch Fakt, dass Sie gegen den Steuerbescheid Einspruch erheben können – das aber nur innerhalb einer Frist von einem Monat. Bei dieser Frist für den Einspruch gegen den Steuerbescheid gibt es jedoch Besonderheiten. Auch wenn Sie die Frist verpasst haben, haben Sie dennoch Handlungsmöglichkeiten. Unser 11880.com-Steuerberater-Ratgeber sagt Ihnen, was Sie tun können, wenn Sie die Frist zum Einspruch gegen den Steuerbescheid verpasst haben.

Wie lang ist die Frist?

termin verpasst
© SIphotography - istockphotos.com

Mit der Abgabe der Steuererklärung haben Sie das Geschäftsjahr im Prinzip abgeschlossen. Wenn Sie jedoch Ihren Steuerbescheid erhalten und gegen diesen, zum Beispiel auf Grund von Fehlern, Einspruch erheben wollen, haben Sie noch einmal zu tun.
Wichtig ist aber, dass für den Einspruch eine Frist von einem Monat gilt, nicht etwa für vier Wochen. Das heißt, die Frist für den Steuerbescheid beginnt ab dem Tag seiner Erstellung und endet am gleichen Kalendertag des nachfolgenden Monats.

Wann gilt die Einspruchsfrist als versäumt?

Wenn der Ablauftag der Frist nicht auf einen Werktag fällt, verschiebt sich die Frist auf den nächsten Werktag. Weitere Verlängerungsmöglichkeiten gibt es grundsätzlich erst einmal nicht. Falls Sie nicht innerhalb dieses Monats Einspruch gegen den Steuerbescheid einlegen, wird dieser auch nicht berücksichtigt.

Tipp:

Wenn Sie kurz vor Ende der Frist in der Lage sind, Einspruch zu erheben, tun Sie dies erst einmal formlos, um die Frist doch noch einzuhalten. Den genauen Grund kann man später noch nachreichen.

Antrag auf Wiedereinsetzung in den vorigen Stand

Was Sie allerdings sehr wohl tun können, ist einen Antrag auf Wiedereinsetzung in den vorigen Stand stellen. Dieser würde bewirken, dass der Steuerbescheid sozusagen wieder „offen“ ist und Sie erneut eine Einspruchsfrist von einem Monat gewährt bekommen. Dem Antrag kann aber nur stattgegeben werden, wenn Sie die Einspruchsfrist gegen den Steuerbescheid unverschuldet verpasst haben.

Einspruchsfrist unverschuldet versäumt

Möglichkeiten für die Wiedereinsetzung des Steuerbescheids können sein:

  • Krankheit
  • Dienstreisen
  • Urlaub
  • Unvorhersehbar lange Postlaufzeit

Das schuldlose Versäumen müssen Sie jedoch belegen können (Flug- oder Hotelrechnungen, Attest vom Arzt, Krankenhausbescheinigung). Die Finanzbeamten entscheiden dann individuell, ob der Einspruch anerkennenswert ist oder nicht. Jeder Steuerpflichtige hat grundsätzlich die Pflicht, alles Mögliche zu unternehmen, um der Frist gerecht zu werden. Bei kleinsten Anzeichen von Fahrlässigkeit wird Eigenverschulden vermutet.

Steuer Einspruchsfrist vor Gericht

gerichtssaal
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Mit Bezug auf gerichtliche Präzedenzfälle wurde Anträgen auf Wiedereinsetzung in den vorigen Stand bei Steuerbescheiden stattgegeben, wenn…

…Steuerpflichtige vier Wochen oder länger im Urlaub waren und der Eingang des Steuerbescheids ungewiss war, da es sich um die erste Steuererklärung handelte.
…Steuerpflichtige länger als die vierwöchige Frist im Urlaub waren, bisher nie ein Einspruch nötig war und die Zustellung des Bescheids nicht sicher war.

Einspruchsfrist verschuldet versäumt

Nicht stattgegeben wurde dagegen Einsprüchen gegen Steuerbescheide, wenn der Steuerpflichtige während der Abwesenheit mit der Zustellung des Bescheids rechnen musste, bzw. keine Vorkehrungen zur Erledigung des Schriftverkehrs getroffen wurden.

Vorkehrungen bei längerer Abwesenheit

Letzteres Beispiel lässt sich durch individuelle Vorkehrungen seitens des Steuerpflichtigen vermeiden. Durch bestimmte Vorkehrungen bei mehrmonatiger Abwesenheit können Sie auf jeden Fall dafür Sorge tragen, dass Ihnen entsprechende Schriftstücke zugetragen werden, sofern Sie eben wissen, dass sie kommen werden:

  • Nachsendeantrag bei der Post
  • Bevollmächtigen Sie eine Vertrauensperson, die den Einspruch für Sie erledigt

Grundsätzlich muss wenigstens bei Beendigung des so genannten Hindernisses sofort Einspruch gegen den Steuerbescheid eingelegt werden, um eine Eigenverschuldung wenigstens unwahrscheinlicher zu machen.



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