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Wie erstellt man Antrag auf Lohnsteuerermäßigung?

Wie erstellt man Antrag auf Lohnsteuerermäßigung?

Normalerweise wird Ihre Lohnsteuer auf Basis von Berechnungen Ihres Arbeitgebers direkt automatisch von Ihrem Bruttogehalt abgezogen. Dem Betrag liegen Steuertabellen zugrunde, die aber pauschal sind und nicht eventuell auftretende Ausgaben und Freibeträge berücksichtigen. In manchen Fällen kann es sein, dass zu viel Lohnsteuer einbehalten wird. Ob das bei Ihnen der Fall ist, wie Sie einen Lohnsteuerermäßigungsantrag erstellen und sich Ihren Freibetrag durchs Finanzamt bestätigen lassen, verrät Ihnen unser 11880.com-Steuerberater-Ratgeber.

Fehler in der ELStAM?

Ordner Finanzamt
© Stadtratte - istockphotos.com

Fangen wir ganz „an der Quelle“ an, bei der Datensammlung über elektronische Abzugsmerkmale (ELStAM) beim Finanzamt. Dies ist eine Datenbank, mittels derer Ihr Arbeitgeber vom Finanzamt steuerrelevante Daten zur Berechnung Ihres Gehalts erhält. Stimmen hier Daten, zum Beispiel zu Ihrem Familienstand, nicht mit der tatsächlichen Lage überein, ergibt sich direkt eine falsche Lohnsteuerzahlung. Wenn sich persönliche Änderungen Ihrerseits ergeben, müssen Sie entsprechende Änderungen beim Finanzamt beantragen.

Ihr ELStAM-Profil

Wie Sie sehen werden, tragen eine ganze Menge persönlicher Daten zu Ihrem letztendlichen ELStAM-Profil bei. Die Zuständigkeiten liegen jeweils bei Gemeinde oder Finanzamt:

Finanzamt:

  • Falscher Lohnsteuerabzug
  • Kinderfreibeträge für Kinder über 18
  • Sonstige Freibeträge
  • Änderung der Steuerklasse
  • Pauschbetrag für behinderte Menschen

Gemeinde:

  • Änderung der Adresse
  • Kindsgeburt oder Adoption
  • Heirat
  • Tod
  • Kircheneintritt oder -austritt

Wo sind Lohnsteuerermäßigungen möglich?

Vor allem der erste Punkt in der oberen Aufzählung ist hier und heute für Sie interessant: Wenn Sie einen Lohnsteuerermäßigungsantrag stellen wollen und entsprechende Freibeträge beim Finanzamt beantragen wollen, können Sie folgende Aspekte in Betracht ziehen:

  • Höhere Werbungskosten
  • Haushaltsnahe Dienstleistungen
  • Außergewöhnliche Belastungen
  • Höhere Sonderausgaben
  • Pauschbetrag für behinderte Menschen
  • Verlust aus Vermietung oder Unternehmen

Details zu den Freibeträgen im Lohnsteuerermäßigungsantrag

Alle Aufwendungen können ohne Einschränkungen in den Lohnsteuerermäßigungsantrag eingetragen werden. Doch es gibt Ausnahmen: Mindestens 600 € müssen an Aufwendungen für Werbungskosten, Sonderausgaben (exkl. Versicherungen) und außergewöhnlichen Belastungen (exkl. Pauschbetrag für behinderte Menschen) zusammenkommen, damit die Aufwendungen letztlich auch als Freibeträge zulässig sind.
Allerdings müssen die Werbungskosten bei nichtselbstständig Arbeitenden pauschal mindestens 1.000 € betragen, Sonderausgaben 36 €, bei Zusammenveranlagung 72 € und außergewöhnliche Belastungen werden individuell in ihrer Zumutbarkeit geschätzt.

Wann hat der Lohnsteuerermäßigungsantrag Wirksamkeit?

In der Regel hat ein erfolgreicher Lohnsteuerermäßigungsantrag bereits für den Folgemonat der Antragsstellung Gültigkeit. Bis Ende November kann noch ein Antrag für ein laufendes Jahr gestellt werden, dabei sind die geltenden Freibeträge stets für zwei Jahre gültig und müssen somit nicht jedes Jahr neu beantragt werden. Ergeben sich im laufenden Jahr für Sie günstige Veränderungen, können diese direkt beantragt werden. Für Sie ungünstige Änderungen müssen nicht extra angemeldet werden.

Achtung, Pflichtveranlagung: Durch den Lohnsteuerermäßigungsantrag sind Sie zur Jahressteuererklärung verpflichtet, damit das Finanzamt die Richtigkeit der Freibeträge überprüfen kann. Bei zu hohem Lohnsteuererlass müssen Sie dementsprechend mit Rückzahlungen rechnen.

Folgende Bestandteile hat der Lohnsteuerermäßigungsantrag

  • Hauptvordruck bei Erstantrag oder speziellen Ausgaben
  • Abschnitt A: persönliche Angaben, ggf. auch zum Ehepartner
  • Abschnitt B: Angaben zu Ihren Kindern
  • Abschnitt C: Pauschbetrag für Menschen mit Behinderung / Verluste aus anderen Einkunftsarten, Verlustermittlung als Anlage
  • Abschnitt C III: Haushaltsnahe Dienstleistungen
  • Abschnitt D I & II: Werbungskosten
  • Abschnitt D III: Sonderausgaben
  • Abschnitt D IV: außergewöhnlichen Belastungen


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