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Wie erstellt man Erbschafts- und Schenkungsteuererklärungen?

Wie erstellt man Erbschafts- und Schenkungsteuererklärungen?

Wenn Vermögen vererbt oder verschenkt wird, ist dies ja keine Ausgabe, bzw. sind das keine Einnahmen als solches und deswegen interessiert sich das Finanzamt nicht dafür? Weit gefehlt, denn wenn ein Mensch verstirbt und Vermögen vererbt oder wenn ein Mensch eine großzügige Schenkung von Vermögen vornimmt, muss das Finanzamt sehr wohl darüber informiert werden und es muss auch die Schenkungs- und Erbschaftssteuererklärung erstellt werden. Unser 11880.com-Steuerberater-Ratgeber erklärt alles Wichtige rund um die Erstellung dieser Steuererklärungen.

Besonderheiten bei der Erbschaftssteuererklärung

erbschaft
© Gajus - istockphotos.com

Erben ist in Deutschland in die Erb-Anfallsteuer einkategorisiert. Das bedeutet, der Erbe oder die Erben tragen die gesamte Steuerlast des Erbes. Abgewickelt wird die Sache Erbschaftssteuer übrigens von dem Finanzamt, das den Vererbenden betreut hatte. Alle Erbenden sollten darauf achten, dass sie unbedingt beide Formulare, die Erbschaftssteuererklärung sowie die Anlage Erwerber zur Erbschaftssteuererklärung ausfüllen und ein Verzeichnis mit allen Bestandteilen des Erbes aufzuführen. Alle Erben müssen diese Dokumente in der Erbschaftssteuererklärung individuell ausfüllen.

Immobilien vererben

Wird eine Immobilie vererbt, gibt es verschiedene Ausfüllvarianten. Ist die vererbte Immobilie vermietet und wird sie nicht mehr von Ehepartnern oder Kindern genutzt, unterliegt sie der Steuerpflicht. Ihr Wert wird mit dem aktuellen Verkehrswert ermessen. Bewohnen die Erbempfänger nach dem Tod des Erblassers die Immobilie noch wenigstens zehn Jahre, ist diese von der Erbschaftssteuer befreit. Für Kinder gilt eine Steuerbefreiungsobergrenze bis zu einer Wohnfläche von 200 qm.

Steuerklasse innerhalb der Erbschaftssteuererklärung

Ebenfalls recht individuell, aber jetzt aus Sicht der Regelung zur Erbschaftssteuer, sind die Steuerklassen. Hier ist nicht die Rede von den normalen Steuerklassen, in die jeder steuerpflichtige Einwohner der Bundesrepublik einsortiert wird. Innerhalb der Erbschaftssteuererklärung gibt es eigene Steuerklassen, die auch die Schenkungssteuer betreffen. Ihr Spektrum von I - III bezieht sich auf das Verhältnis des oder der Verstorbenen oder Schenkenden, von Ehepartner oder direkte Kinder bis gar nicht verwandt.

Freibeträge in Schenkungs- und Erbschaftssteuererklärung

Ganz eng mit den Steuerklassen gehen die Freibeträge einher, die Sie in Ihrer Schenkungs- und Erbschaftssteuererklärung zugrunde legen dürfen. Grundsätzlich gilt: Je näher Sie mit dem Absender der Schenkung oder des Erblassers verwandt waren, desto höher ist der Freibetrag. So gilt für Ehepartner mit 500.000 € steuerfreiem Erb- oder Schenkungsbetrag der höchste Freibetrag, für nicht-verwandte Empfänger liegt die Grenze bei 20.000 €.

Lesen Sie hier Näheres zu den Steuerklassen und dem Erbschaftssteuer Freibetrag.



Höhe der Erbschaftsteuer in %

Als Kombination aus den beiden vorangegangenen Parametern – also Freibeträge und Steuerklasse im Sinne der Erbschafts- und Schenkungssteuer – ergibt sich der Prozentsatz, nach dem das Finanzamt letztendlich die Steuersumme erhebt. Die Kombination bis zu 75.000 € zu versteuerndes Erbe und Erbschaftssteuerklasse I ergibt den niedrigsten Zinssatz von 7 %. Am höchsten fällt die Erbschaftssteuer für die Steuerklassen II und III bei Beträgen über 13 Millionen Euro aus. Dann nämlich beträgt die Erbschafts- und Schenkungssteuer 50 %.

In Steuerklasse I beträgt die Besteuerung bis

  • 75.000 € 7 %,
  • 300.000 € 11 %,
  • 600.000 € 15 %
  • 6.000.000 € 19 %
  • 13.000.000 € 23 %
  • 26.000.000. € 27 % und über
  • 26.000.000 € 30 %.

In Steuerklasse II beträgt die Besteuerung bis

  • 75.000 € 15 %,
  • 300.000 € 20 %,
  • 600.000 € 25 %
  • 6.000.000 € 30 %
  • 13.000.000 € 35 %
  • 26.000.000. € 40 % und über 
  • 26.000.000 € 43 %.

In Steuerklasse III entsprechend für Beträge bis 

  • 6.000.000 € pauschal 30 %
  • und darüber 50 % 

Rechenbeispiel Erbschaftssteuer

Wenn Sie also von einem Elternteil beispielsweise 500.000 € vererbt bekommen, dürfen Sie davon zunächst 400.000 € als Freibetrag abziehen. Die restlichen 100.000 € müssen versteuert werden. Sie fallen in die Erbschaftssteuerklasse I und müssen daher 11 % an das Finanzamt abtreten.

Erbschaft anzeigen ist Pflicht

Dass Sie geerbt haben oder Ihnen etwas geschenkt wurde, müssen Sie dem Finanzamt melden, sofern die Behörde es nicht selbst tut. Ihre Steuerpflicht tritt an dem Tag ein, an dem Sie das Erbe erhalten. Dann haben Sie drei Monate Zeit, sich beim Finanzamt zu melden. Wenn Sie es nicht tun, wird das Finanzamt höchstwahrscheinlich durch die Zusammenarbeit mit anderen Institutionen wie Banken oder Versicherungen von den neuen finanziellen Verhältnissen Kenntnis bekommen.



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