Wann ist man umsatzsteuerpflichtig?

Das Leben als Freiberufler könnte doch so schön einfach und entspannt sein, wenn da nicht diese lästige Arbeit mit den Steuern wäre. Während man sich als „abhängig Angestellter“ eigentlich nur einmal im Jahr kurz mit der Steuererklärung befassen muss (und das auch nur, sofern man keinen Steuerberater beauftragt), haben Selbstständige und Freiberufler schon wesentlich mehr zu beachten, wenn es um die Steuern geht. Unser 11880.com-Steuerberater-Ratgeber bezieht sich in diesem Artikel besonders auf die für Existenzgründer, Selbstständige und Co. relevante Umsatzsteuerpflicht. Wann ist man umsatzsteuerpflichtig und wann greift die Kleinunternehmerregelung?

Beim Finanzamt melden

Freiberufler
© DragonImages - istockphotos.com

Den Schritt in die Selbstständigkeit wagen in Deutschland durchaus mehr und mehr Menschen. Klar, es bringt vor allem zeitliche Vorteile, wenn man sich den Job flexibel einteilen kann. Vor allem für Menschen mit familiären Verpflichtungen ist dieser Aspekt sehr reizvoll.
Doch frisch gebackene Freiberufler oder Selbstständige müssen ihre Tätigkeit dem Finanzamt melden, damit sie erfasst werden können. Dafür vergibt das Finanzamt eine Steuernummer, die der Unternehmer später auf seinen Rechnungen aufzuführen hat.

Kleine und große Unternehmer

Schon hier müssen erste Prognosen darüber abgegeben werden, wie viel Umsatz das Unternehmen erzielen wird. Bleiben die Bruttoeinnahmen tatsächlich unter der Grenze von 17.500 € pro Jahr und werden diese im laufenden Jahr 50.000 € nicht übersteigen, unterliegt der Unternehmer nicht der Umsatzsteuerpflicht. Stattdessen greift hier die Kleinunternehmerregelung, nach der die Unternehmer auf ihren Rechnungen keine Umsatzsteuer ausweisen müssen. Auf die Kleinunternehmerregelung kann aber auch verzichtet werden.

Liegen die Einkünfte über der Grenze, muss die Umsatzsteuer entsprechend auf jeder Rechnung ausgewiesen und vom Kunden schließlich auch überwiesen werden. Zudem müssen Unternehmer, die der Umsatzsteuerpflicht unterliegen, regelmäßige Umsatzsteuervoranmeldungen ans Finanzamt übermitteln und die erzielten Umsatzsteuerbeträge regelmäßig abtreten.

Über die Grenze zur Umsatzsteuerpflicht

Am Anfang, bzw. im ersten Geschäftsjahr müssen vor allem Einzel- und Kleinstunternehmer abschätzen, ob sie erwarten, dass Ihr Unternehmen die Marke der 17.500 € überschreiten wird. Ist dies der Fall, wird also die Grenze zur Umsatzsteuerpflicht im laufenden Geschäftsjahr überschritten, ist Folgendes zu tun:

  • Optieren für das kommende Geschäftsjahr
  • Also Umsatzsteuer erheben
  • Die Kunden am besten zusätzlich darauf hinweisen
  • Sie müssen das Finanzamt nicht unbedingt darüber informieren
  • Sie handeln hier in eigener Verantwortung

Achtung: Wenn Sie in diesem Geschäftsjahr keine Umsatzsteuer erheben, müssen diese aber trotzdem an das Finanzamt abgeführt werden!

Wenn Sie nur ein Jahr lang über der Grenze erwirtschaften und im nachfolgenden Jahr wieder unter die Grenze fallen, ist eine Rückkehr zur Kleinunternehmerregelung möglich.

Kleinunternehmerregelung Vorteile

  1. Leistungen können günstiger angeboten werden
  2. Dadurch gefühlter Preisvorteil für Kunden
  3. Kein Aufwand für Geldverkehr zum Finanzamt
  4. Einfach in der Buchhaltung

Kleinunternehmerregelung Nachteile

  1. Keine Berechtigung zum Vorsteuerabzug
  2. Bindend für 5 Jahre
  3. Viel Aufwand, ständige Kontrolle der Umsätze nötig
  4. Image: Kleiner Unternehmer = unprofessioneller Unternehmer?


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